Reisebericht von Jean-Paul W.

Per 4-Wheel-Drive auf den Spuren der Wüstenelefanten (03.10 - 22.10.2010)

Am 3. November 2010 erfolgte (zusammen mit Kevin und Sally) der Abflug nach Windhoek (Namibia), wo wir uns für eine 17-tägige Abenteuer-Reise angemeldet hatten. Insgesamt waren wir eine Gruppe von 12 Personen, die sich zuvor noch nicht alle gekannt, sich aber in der Folge bestens verstanden hatten, dazu noch unsere beiden hervorragenden Schweizer "Tour-guides" Carlo und Diana. Jedes Paar hatte einen wüstentauglichen 4x4 Nissan-Jeep erhalten (mit aufklappbarem Zelt auf dem Autodach, 140 lt. Dieseltanks, 2 Reserverädern, 45 lt. eingebautem Wassertank und weiteren 25 lt. Wasservorrat) und ab ging die Reise via Gamsberg-Pass in die Namibwüste, wo wir die erste Nacht bereits im "bushcamp" verbracht haben.

 

Hinter einem grossen Felsblock (ähnlich dem Ayer's rock in Australien) hatten wir unser Lager bezogen und dann die ersten Instruktionen betreffend richtiger Zeltmontage sowie afrika-spezifischen Verhaltensweisen und Wüsten-Vorschriften" erhalten. Abends hat uns Diana am Lagerfeuer mit einem herrlichen Essen überrascht und der letzte Trunk vor dem Schlafen bestand aus einem Whisky oder einem Amarulla (einem südafrikanischen, fein-schmeckenden Likör), der unseren müden Körpern dann einen guten Schlaf besorgen sollte. Anderntags dann nur Wüste und Wüste, soweit das Auge reicht …. bis schlussendlich nach Swakopmund, wo wir in einem alten Hotel (vormals ein Lazarett der Deutschen aus dem Jahre 1914) untergebracht waren. In Swakopmund haben wir dann einen zusätzlichen Aufenthaltstag eingeschaltet, um einerseits die Stadt zu besichtigen und andererseits auch an einem Rundflug über die Namibwüste teilzunehmen. Dieser Flug war eindrücklich, haben wir doch aus der Vogelperspektive gesehen, was wir tags zuvor mit dem Jeep abgefahren haben. Nachher ging es der Atlantikküste nach Richtung Norden, der sogenannten" Skeleton Coast" (der Name kommt von den vielen Schifffahrts-Unglücken her, wo viele Schiffe in den starken Stürmen untergegangen oder gestrandet sind und die Ueberlebenden an der Küste infolge fehlendem Trinkwasser umgekommen sind). In CapeCross leben grosse Seelöwen-Kolonien, die zwar nett anzuschauen sind, aber einem fast den Atem verschlagen (so stark stinkt es …..). Dann ging es ins Landesinnere, mit Uebernachtungen wieder im "bushcamp" resp. alle 3-4 Tage einmal auf einem besseren Campingplatz oder in einer schönen Lodge.

 

Die schwierigsten Abschnitte lagen aber noch vor uns, darunter 1 Tag, wo insgesamt nur 90 km gefahren werden konnte, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von max. 15 km/h. Dieser Tag sowie 2 weitere Tage war ich wirklich am "Anschlag" und konnte fast nicht mehr. Falls Ihr am Fernsehen einmal eine "Camel-Trophy" gesehen habt, dann wisst Ihr, wovon ich spreche. Ich glaubte bisher ein guter Autofahrer zu sein, gewohnt auf verschneiten und vereisten Bergstrassen zu fahren. Aber das Fahren über hohe Fels- und Steinformationen, durch ausgewaschene und sandige Flussbette, Sanddünen hoch und runter, dies war natürlich ein anderes Paar Schuhe …. und mein Adrenalinspiegel war mehr als strapaziert, und als ich dann in einer Felssteigung hängenblieb und den Motor abwürgte > die Kupplung begann schon zu stinken …….) da habe ich fast Schreikrämpfe gekriegt. Schlussendlich ging es trotzdem noch und im Gegensatz zu anderen Kollegen bin ich wenigstens nie im Sand stecken geblieben und musste nie "herausgeschaufelt und herausgestossen" werden. Carlo und Diana, unsere Tour-Guides, behielten jedoch immer ihre Ruhe und haben uns nach 2'700 km "off-road", entlang der Grenze der Etosha-Pfanne bis an die angolanische Grenze, durch das Gebiet der Himba, durch Kaoko- und Damaraland, sicher ans Ziel gebracht. Diese Reise war für uns das Eindrücklichste, was Helen und ich im Leben bisher erlebt haben und ich glaube, dass dies auch all den anderen unserer Reisegruppe so ergangen ist. Nicht zu vergessen ist das Erlebnis im Flusstal Huab, wo wir Wüstenelefanten begegnet sind.

 

Bereits beim Anblick des ersten Elefanten aus der Ferne, der sich auf unserem Weg befand und sich nicht rühren wollte, begann sich Nervosität in mir auszu-breiten. Nach 20 Minuten entschloss sich Carlo, sich ganz langsam dem Elefanten zu nähern und dann vorbeizufahren. Per Funk (alle Autos waren mit Funkradio miteinander verbunden und konnten so alle Instruktionen betreffend Risiken und Gefahren, Fahrweise etc. hören) bekam ich dann den Befehl, ganz sachte das Gleiche zu tun. Beim Passieren des stehenden Elefanten sahen wir, dass dieser Bulle neben einem toten Elefanten stand, um von diesem in seiner Trauer Abschied zu nehmen (deshalb das lange Warten, das mich und wahrscheinlich auch die anderen so nervös werden liess). Das sind dann so Momente, die unvergesslich sind und mir heute noch beim Anblick der Fotos ein Kribbeln verursachen. Nun Ende gut alles Gut, sagte Professor Bienlein in Tintin's Bücher und so gelangten wir schlussendlich alle gesund und munter nach Windhoek. Nach einem Tag der Stadtbesichtigung und Erholung haben sich dann unsere Wege getrennt. Dani und Andi sind in die Schweiz zurückgekehrt (diese Jünglinge gehören noch zur "working class"). Die andern 8 Personen sind dann nach Kapstadt weiter geflogen und haben dort individuell ihre Weiterreise begonnen.

Jean-Paul W.

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